
Apulien, die „Ferse" Italiens, blickt auf eine jahrtausendealte Geschichte zurück, die eng mit Landwirtschaft, Weinbau und Handel verknüpft ist. Von antiken Zivilisationen bis hin zu den Normannen und Staufern haben viele Kulturen ihre Spuren hinterlassen, die heute noch die Weine und die Küche der Region prägen.
Das umkämpfte Tor des Mittelmeers
Zwischen Tradition und Aufbruch
Sonne, Sorgen und Pioniere
Von der Massenware zum Kult-Klassiker
Das flüssige Gold Apuliens
Ein Mitglied stellt sich vor
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2. August 2026
Apulien war durch seine geografische Lage als Brücke zum Balkan und zum Orient über Jahrtausende hinweg ein historischer Hotspot. Wer das Mittelmeer kontrollieren wollte, musste Apulien kontrollieren.
Ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. kolonisierten Griechen die Küsten. Tarent wurde eine der mächtigsten Städte der antiken Welt – der Ursprung des tief verwurzelten Wein- und Olivenanbaus.
Für Rom war Apulien das Sprungbrett nach Osten. Die berühmte Via Appia endete im Hafen von Brindisi – Ausgangspunkt für Legionen und Händler nach Griechenland und Asien.
Im 11. Jahrhundert eroberten die Normannen die Region. Ihren Höhepunkt erlebte sie unter Friedrich II. im 13. Jahrhundert – er hinterließ das weltberühmte Castel del Monte.
Als Schutz vor osmanischen Angriffen entstand ein Netz aus Küstenwachtürmen. Spanischer Einfluss brachte im 17. Jahrhundert die einzigartige Blüte des prunkvollen Barock – besonders in Lecce.
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2. August 2026
Wirtschaftlich galt Apulien lange als Teil des strukturschwachen „Mezzogiorno". Doch die Region hat sich zu einem der dynamischsten Motoren Süditaliens entwickelt.
Rund 40–50 % des gesamten italienischen Olivenöls stammen aus Apulien. Jahrhundertealte Frantoi Ipogei (unterirdische Ölmühlen) und historische Masserien prägen die Tradition. Beim Wein hat man den Sprung zu weltweit prämierten Spitzenweinen geschafft.
Eines der größten Stahlwerke Europas in Taranto; Bari und Brindisi als Zentren für Luftfahrtindustrie (Zulieferer für Boeing und Airbus), Maschinenbau und Pharma.
Bari hat sich zu einem beachtlichen Tech-Hub entwickelt. Hochqualifizierte Ingenieure und IT-Spezialisten ziehen zunehmend internationale Software- und Beratungsunternehmen an.
Der Fokus liegt auf der Restaurierung historischer Masserien, Agriturismo und Kultururlaub – statt Bettenburgen an der Küste.
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Die Natur Apuliens ist wunderschön, steht aber im 21. Jahrhundert vor monumentalen Herausforderungen, die das Gesicht der Region nachhaltig verändern.

Über 21 Millionen Olivenbäume sind betroffen oder bedroht. Ganze Landschaften, die das Bild Apuliens seit der Antike prägten, sind in Geisterwälder aus dürren Stämmen verwandelt worden.

Der Olivenanbau ist das Rückgrat der apulischen Landwirtschaft. Der Verlust bedroht Tausende von Familienbetrieben, senkt die Olivenöl-Produktion drastisch und gefährdet ein jahrtausendelanges kulturelles Erbe.

Wissenschaftler arbeiten unter Hochdruck. Die Sorte Favolosa (FS-17) zeigt vielversprechende Resistenz und wird für Neupflanzungen in betroffenen Gebieten eingesetzt.
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Apulien hat kaum eigene Flüsse oder große Seen und leidet historisch unter extremem Wassermangel. Die Lösung ist eine der beeindruckendsten Infrastrukturleistungen des 20. Jahrhunderts.

Apulien ist die trockenste Region Italiens. Ohne natürliche Flüsse oder Seen war die Wasserversorgung für Jahrhunderte eine existenzielle Herausforderung für Landwirtschaft und Bevölkerung.

Seit über 100 Jahren transportiert das Acquedotto Pugliese Trinkwasser aus den Bergen Kampaniens und der Basilikata über hunderte Kilometer bis in den trockensten Süden – bis nach Leuca an der Stiefelspitze.

Der Klimawandel verschärft die Lage: längere Dürreperioden, sinkende Grundwasserspiegel und steigende Temperaturen machen eine moderne Wasserpolitik zur Überlebensfrage.
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2. August 2026
Apulien hat die Energiewende nicht nur mitgemacht – die Region führt sie an. Dank Sonne und Wind produziert Apulien heute bilanziell mehr grünen Strom, als es selbst verbraucht.
Installierte Photovoltaik-Kapazität, eine der höchsten in ganz Italien
Apulien ist Italiens führendes Bundesland bei Windkraft
Mehr grüner Strom produziert als verbraucht – eine Energiebilanz, die kaum eine andere Region erreicht
Die flache Landschaft, die intensive Sonneneinstrahlung und die konstanten Winde vom Adriatischen und Ionischen Meer machen Apulien zum idealen Standort für erneuerbare Energien. Die Region ist damit nicht nur ökologischer Vorreiter, sondern auch wirtschaftlicher Gewinner der Energiewende.
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Mit über 800 Kilometern Küstenlinie zwischen Adria und Ionischem Meer ist der Schutz des marinen Ökosystems eine der zentralen ökologischen Aufgaben Apuliens.

Das Meeresschutzgebiet Torre Guaceto zeigt, wie nachhaltiger Tourismus, sanfte Fischerei und der Schutz von Zugvögeln und Meeresschildkröten erfolgreich Hand in Hand gehen können. Fischer, Naturschützer und Touristen arbeiten hier gemeinsam.

Die apulischen Küsten sind Heimat von Meeresschildkröten (Caretta caretta), Delfinen, Posidonia-Seegraswiesen und seltenen Zugvögeln. Der Schutz dieser Artenvielfalt ist eng mit dem Schutz der Fischerei und des Tourismus verknüpft.
Apulien setzt auf sanften Küstentourismus statt Massenabfertigung. Kleine Buchten, Naturparks und Meeresschutzgebiete ziehen naturverbundene Reisende an – und schützen gleichzeitig das Ökosystem.
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Apulien ist nicht nur Italiens größter Weinproduzent – es ist vor allem der Ölgarten der Nation. Seit der Antike prägen uralte Olivenbäume die Landschaft und die Seele der Region.

Jahrhunderte vor der Moderne wurden in Apulien unterirdische Ölmühlen (Frantoi Ipogei) in den Fels gehauen. Die konstante Temperatur unter der Erde war ideal für die Pressung. Viele dieser Anlagen sind heute noch erhalten und können besichtigt werden – ein einzigartiges Kulturerbe.

Die historischen Gutshöfe (Masserien) waren über Jahrhunderte das Herzstück der Olivenöl- und Weinproduktion. Heute werden viele als Agriturismo geführt und verbinden Tradition mit modernem Qualitätstourismus.

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2. August 2026
Apulien ist im Umbruch – und was hier in den letzten zwei Jahrzehnten passiert ist, lässt sich am besten mit „Qualitätsrevolution" beschreiben. Vergessen wir die Zeiten der gesichtslosen Massenweine. Heute zeigt der Stiefelabsatz, was in seinen uralten Reben steckt.
Die absolute qualitative Speerspitze Apuliens
Kontrollierte Herkunftsbezeichnungen in der Region
Einzigartiges Terroir zwischen Adria und Ionischem Meer
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2. August 2026
Jahrzehntelang war Apulien der „stille Retter" des europäischen Weinhandels. In schwachen Jahrgängen fuhren ganze Züge voller Weinfässer aus Brindisi, Taranto und Barletta nach Norditalien und Frankreich – ein offenes Geheimnis in Fachkreisen.
In kalten oder verregneten Jahrgängen fehlte den Weinen aus dem Piemont, der Toskana oder Bordeaux die nötige Farbe, der Alkohol und die Tanninstruktur. Die Weine wirkten dünn und sauer.
Primitivo und Negroamaro reiften unter der mediterranen Sonne verlässlich aus: 15–16 % Vol. Alkohol, tiefdunkle (fast schwarze) Farbe, enorme Dichte. Ein kleiner Prozentsatz reichte, um einen blassen Bordeaux oder dünnen Chianti im Fass wieder „aufzupumpen".
Das berühmteste Beispiel für den Wandel ist Wein-Pionier Cosimo Taurino aus Guagnano im Salento. Er sah jahrelang, wie die wuchtigen Weine seiner Familie in Fasswagen nach Norden transportiert wurden, um dort anonym in teuren Flaschen mit berühmten Etiketten zu verschwinden.
In den 1970er Jahren sagte er: „Schluss damit!" Er begann, seinen Top-Negroamaro selbst auf Flaschen zu füllen und international zu vermarkten. Daraus entstand unter anderem der legendäre Notarpanaro – und eine ganze Bewegung apulischer Winzer, die ihren Weinen endlich einen eigenen Namen gaben.
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2. August 2026
Apulien verfügt aktuell über 4 DOCG-Gebiete (die absolute qualitative Speerspitze) und 28 DOC-Zonen. Darüber hinaus spielen die IGP/IGT-Weine (wie Tarantino oder Salento) eine enorme Rolle, da sie den Winzern mehr Freiheit bei der Kreation moderner Spitzenweine lassen.
Der einzige DOCG-Süßwein der Region. Ein monumentaler, opulenter Dessertwein aus spätgelesenen, am Stock angetrockneten Primitivo-Trauben.
Ein frischer, charaktervoller Roséwein aus der autochthonen Sorte Bombino Nero, gewachsen rund um das berühmte Stauferkastell im Norden.
Ein kräftiger, lagerfähiger Rotwein mit viel Tannin und Struktur aus der einheimischen Sorte Nero di Troia.
Ein eleganter Cuvée-Rotwein, dominiert von der Rebsorte Nero di Troia – mit großem Lagerpotenzial.
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2. August 2026
Wenn wir über apulischen Rotwein sprechen, dreht sich fast alles um drei autochtone Rebsorten, die den Charakter der Region prägen:
Kraftvoll, samtig, alkoholstark (oft 14–15 %+) mit feiner Restsüße. Aromen von reifen dunklen Beeren, Pflaumenkompott, Schokolade und Zimt. Genetisch identisch mit dem kalifornischen Zinfandel.
Tiefdunkle, würzige Weine mit Noten von schwarzer Johannisbeere, Kräutern der Macchia, Tabak und einer typischen Bitternote im Abgang. Auch für phänomenale, kräftige Rosatos.
Oft unterschätzt, liefert aber die elegantesten Rotweine Apuliens. Spät reifend, mit kräftigen Tanninen, guter Säure und faszinierendem Duft nach Veilchen, Lakritze und dunklen Kirschen.
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2. August 2026
Hier im oberen Salento (Provinz Brindisi) sitzen wir strategisch perfekt im Dreieck zwischen Negroamaro und Primitivo.
Hauptsächlich Negroamaro, oft mit etwas Malvasia Nera verschnitten. Wunderbar ehrliche, würzige Alltagsbegleiter, die hervorragend zur lokalen Küche mit Tomaten, Olivenöl und gegrilltem Fleisch passen.
Im Nordwesten von Brindisi stößt man auf eine absolute Besonderheit: die Ostuni DOC, berühmt für seltene Weißweine aus den Sorten Impigno und Francavidda. Eine echte Rarität in diesem Rotweinland!
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Apuliens Küche ist so ehrlich und kraftvoll wie seine Weine – arm an Zutaten, reich an Geschmack. Die lokalen Spezialitäten sind die perfekten Begleiter zum Glas.
Das Nationalgericht Apuliens: handgeformte Öhrchen-Pasta mit Stängelkohl, Knoblauch, Anchovis und Olivenöl. Klassisch zum Primitivo oder einem kräftigen Negroamaro.
Die cremige Königin der apulischen Käsewelt – außen Mozzarella, innen flüssige Sahne. Perfekt zum frischen Rosato aus Negroamaro oder einem leichten Weißwein der Ostuni DOC.
Das traditionelle apulische Fladenbrot aus Hartweizengrieß, gefüllt mit allem, was die Region bietet: Oliven, Kapern, Tomaten, gegrilltem Fleisch. Der ideale Begleiter zu einem einfachen Brindisi DOC.
Frisch gepresstes Olivenöl (Coratina, Ogliarola) mit knusprigen Taralli – dem apulischen Kringel-Gebäck. Dazu ein Glas Primitivo di Manduria: die einfachste und schönste Kombination der Region.
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Al Bano stammt aus einer tief verwurzelten apulischen Bauernfamilie. Bevor er in den 1960er Jahren auszog, um die Welt der Musik zu erobern, gab er seinem Vater Carmelo ein Versprechen: „Ich werde gehen, um Sänger zu werden, aber ich werde zurückkehren, um dir ein Weingut zu bauen."
Er hat sein Wort gehalten. Heute produziert das Gut Tenute Al Bano Carrisi herausragende Weine, die weltweit prämiert werden. Die bekannteste Cuvée – ein kraftvoller Roter aus Primitivo und Negroamaro – heißt im Gedenken an seinen Vater schlicht und ergreifend „Don Carmelo".
Al Bano Carrisi ist stolzes Mitglied unseres Ordo Equestris Vini Europae (OEVE). Als Eques de Vino setzt er sich genau wie wir für den Erhalt der Weinkultur, die Pflege der Traditionen und die Völkerverständigung durch den Wein ein.
In Honorem Dei et Honorem Vini!
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Wir danken euch für eure Aufmerksamkeit und freuen uns auf die Diskussion beim Glas. Möge der heutige Abend Apulien ein kleines Stück näherbringen – seine Geschichte, seine Weine, sein Olivenöl und seine Menschen.
In Honorem Dei et Honorem Vini!
Ordo Equestris Vini Europae – Komturei Teneriffa
Verfasst von Kurt · OEVE-Mitglied
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Hat euch die Reise durch Apulien gefallen? Ich freue mich über Anregungen, Fragen und natürlich über neue Kontakte rund um Wein, Olivenöl und die schöne Ferse Italiens!
Ordo Equestris Vini Europae – Komturei Teneriffa
Kurt · OEVE-Mitglied
Komturei Teneriffa
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